Meine Ansicht
Kenia 2025
Ein Thema, was mich seitdem wir in Mombasa leben, ziemlich beschäftigt, ist das Thema der interkulturellen Beziehung. Vor allem aber das Thema der Interkulturalität der zwei Farben, wenn man so will.
Dies wird nun ein sehr persönlicher Bericht und es sind meine Erfahrungen und Ansichten, die ich heute mit dir teile. Mir ist absolut bewusst, dass man nie alle in einen Kessel werfen darf, und das möchte ich von Anfang an auch feststellen, dass dies auch bei diesem Artikel nicht der Fall sein wird. Des Weiteren lade ich dich dazu ein selbst darüber zu reflektieren, wenn du das möchtest und dir deine eigenen Gedanken dazu zu machen. Ich bin absolut offen für eine Diskussion und freue mich sogar sehr darauf. 😉
Noch ein kleiner Hinweis. In diesem Artikel werde ich „schwarz“ und „weiß“ einfach benennen. Das ist weder abwertend noch sonst etwas. Tatsache ist, es ist das Einzige, was uns unterscheidet.
In Mombasa, da es an der Küste liegt, wimmelt es nur so vor Weißen. Davon sind 70 % Männer. Es gibt extrem viele Touristen und auch ganz viele, die sich hier ein Leben aufgebaut haben. Vor allem bei uns in Nyali wohnen viele Weiße. Erster Kulturschock für mich, denn plötzlich bin ich einer von vielen und das Wort Muzungu gehört nicht mehr zu meinem Alltag. Ein absoluter positiver Wandel, denn jetzt werde ich als Mensch so wie jeder andere gesehen.
Paare, wie es mein Partner und ich sind, also er schwarz und sie weiß, gibt es hier vereinzelt, wir zählen jedoch absolut zu den Exoten. Seit den vier Wochen, die wir nun hier sind, habe ich ganze 5 Stück gesehen. Wir waren jedoch die Jüngsten und bei drei anderen waren die Frauen um einiges älter als die jungen afrikanischen Männer.
Gerade als ich diesen Blogartikel schreibe, befinde ich mich in einer Strandbar, wo 50 % Afrikaner und 50 % Europäer (tatsächlich größtenteils Europäer) sind. Von den 50 % Europäern sind 5 % Frauen und der Rest Männer. Bei den Afrikanern hält es sich die Waage.
Jetzt kommen wir endlich zu dem Thema, was mich beschäftigt und wo ich mich immer wieder ertappe, dass ich nicht starre. Paare, wo er weiß, ist und sie schwarz, sind hier keine Seltenheit. Alleine in dieser Bar, wo ich mich gerade befinde, sind 50 % genau solche Konstellationen. Er ein wohlhabender weißer, oft älterer Mann. Sie eine junge hübsche Kenianerin. Bitte verstehe mich nicht falsch, jeder soll den lieben den er/sie liebt, doch bei 80 % dieser Paare spürt man einfach, dass dies keine Beziehung der Liebe ist. Es ist eine Beziehung des Zwecks.
Was mich jedoch am meisten schockiert sind folgende Feststellungen und auch Aussagen von Kenianerinnen hier.
Uns ist aufgefallen, dass die Damen an der Küste viel schlanker sind als Frauen im Inland von Kenia. Junge Frauen sind spindeldürr und sehr freizügig gekleidet. Bitte versteh mich nicht falsch, habe damit absolut kein Problem, gleichzeitig fällt es einfach auf, denn in Kenia kleidet man sich doch noch etwas „konservativer“ und man möchte mehr auf der Hüfte haben, denn das heißt, mir geht es gut und ich kann auf mich selbst achtgeben.
Mein Partner fragte tatsächlich mal eine Kellnerin hier, warum die Frauen alle so dünn sind. Die Antwort fand ich mehr als erschreckend. Sie erzählte ihm, dass man den jungen „Küstenmädels“ sagt sie müssen dünn sein, denn so bekommen sie einen Muzungu. Sprich viele magern sich auch herunter, nur um einem Mann von einer anderen Kultur zu gefallen.
Das finde ich persönlich geht, einen Schritt zu weit. Ich kann nicht von einer anderen Kultur verlangen, dass sie das gleiche Schönheitsideal weitergibt, wie es eine andere Kultur tut. Entweder liebe ich den Menschen so wie er ist, oder ich muss es lassen.
Mich von meiner eignen Kultur, in meinem eigenen Land zu verabschieden ist für mich unvorstellbar. Ja, ich lebe auch mit einem Kenianer zusammen und ja ich habe Dinge dieser Kultur adaptiert, gleichzeitig wohne ich hier. Das heißt für mich, ich muss mich an gewisse Dinge anpassen. Gleichzeitig heißt es aber nicht, dass ich meine eigene Kultur vernachlässige, denn in einer funktionierenden Partnerschaft über Kulturen, schafft man es einen Rahmen für beide Kulturen zu schaffen. Wenn ich jedoch außer Haus gehe, nimmt die Kultur von meinem Partner überhand, denn ich habe mich dafür entschieden in einer anderen Kultur zu leben.
Und nun noch ein kleiner Alina Gedanke 😉 Ich meinte kürzlich zu meinem Partner, „Ist dir aufgefallen, dass Kenianerinnen, wenn sie mit einem Muzungu zusammen sind, meistens dünn und schlank sind? Jedoch Muzungus die mit einem Kenianer zusammen sind meistens etwas zu legen?“ 😉 Ist tatsächlich so! Danke, dass ich mit dir meine Gedanken teilen konnte.