Das ist Anthony!

Kenia 2023

Hinter jeder Geschichte steckt eine Person. Ich erlebe hier täglich Neues und habe mittlerweile schon so viele interessante Gespräche über das Leben und die Kultur in Kenia geführt. Daher finde ich es nur fair, dass auch diese Menschen hier einen Platz bekommen und durch mich zu Wort kommen dürfen.

Anthony war unser Safari Guide für die letzten sechs Tage. Unter dem Punkt „Projects“ könnt ihr euch seine eigene Safari Company anschauen, die er gerade aufbaut. Wir hatten das Vergnügen mit ihm unsere Reise durch Kenia zu starten. Wer ist wir? Wie viele vielleicht noch nicht wissen, kamen meine Mama und meine Schwester für zehn Tage auf Besuch nach Kenia. Nach drei Monaten gab es ein Wiedersehen und dann eine unvergessliche Reise durch Kenia. Dieses Abenteuer bedeutete mir sehr viel, denn es war auch für mich das erste Mal, dass ich mehr von diesem wunderschönen Land gesehen habe, und für mich gibt es nichts Schöneres als dies mit der Familie zu tun. So, jetzt aber wieder zurück zu unserem heutigen Gast.

Anthony lebt mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern etwa 50km außerhalb von Nairobi in Richtung Osten, zum Indischen Ozean. Er arbeitet aktuell für die Safari Firma „Meektrails Safari“. Ganz kurz, Safari ist ein Kiswahilisches Wort und bedeutet „journey - Reise“. Wir wurden überpünktlich um 8:00 Uhr morgens in Nairobi bei unserem Hotel abgeholt und erledigten noch schnell die ganzen administrativen Dinge, bevor es dann los ging. Bevor Anthony jedoch das Auto startete, erklärte er uns noch lange und ausführlich, dass unsere Reise in den Händen Gottes läge und er, also Anthony, alles dafür tun würde, dass wir eine unvergessliche Reise erleben werden. Das bringt auch Dinge wie frühes Aufstehen mit sich.

Wir durften ziemlich schnell feststellen, dass wir einen mega belesenen und fachkundigen Safari Guide an unserer Seite hatten. Glaubt es mir, eine Safari steht und fällt mit dem Guide. Wir hatten den Jackpot der Safari Guides erwischt und ich war extrem glücklich darüber. Für mich war es die siebte Safari, für meine Schwester und Mama die zweite bzw. erste mit Safari Guide. Anthony kannte sich nicht nur in der Tierwelt bombastisch aus, nein, sein Wissen reichte noch viel weiter. Über jede Stadt, durch die wir fuhren, konnte er uns etwas erzählen und das waren einige. Als wir im Rift Valley (dem Großen Afrikanischen Grabenbruch) ankamen, erklärte er uns genau wie es entstanden war. Kein:e Geographieprofessor:in hätte es uns besser erklären können.

Anthony baute extra Stopps ein und brachte uns näher, wie Tee angebaut und geerntet wird. Es gab Nichts über das er nicht Bescheid wusste und er hatte eine sehr sympathische Art und Weise, sein Wissen zu vermitteln. Als Safari Guide geht er über die Grenzen eines typischen Guides, denn er fährt durch ganz Kenia und spricht mit all den Leuten, baut so Kontakte auf und kann so immer wieder Tourist:innen an neue Orte bringen.

Als ich erfuhr, dass er vor vielen Jahren auch in Tansania Safaris anbot, schnappte ich diese Gelegenheit am Schopf und fragte ihn, was denn der Clinch zwischen Kenia und Tansania sei. Kurzer Rückblick: als ich heuer im Sommer in Tansania erzählte, dass ich nach Kenia ziehen werde, hörte ich immer und immer wieder, dass Kenianer:innen unsympathisch seien und noch vieles mehr. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch einen großen Konflikt zwischen den Rappern aus Tansania und denen aus Kenia. Irgendwann beschloss ich, niemandem mehr davon zu erzählen, denn ich fing tatsächlich an darüber nachzudenken, ob es eine gute Idee war, in so ein Land zu ziehen. Nebenbei, ja es war die beste Idee, die ich dieses Jahr hatte und ich bin so froh, hier in Kenia leben zu dürfen.

Jetzt aber wieder zurück zu Anthony. Ich bekam eine lange und ausführliche Erklärung und tatsächlich eine Antwort, die Sinn ergab und vieles erklärte. Ohne zu wissen, dass ich über die Rapper Szene Bescheid wusste, brachte Anthony diese von sich aus auf. Er erklärte mir, dass das Problem in der Mittelschicht liegt, also eigentlich in der Tourismusbranche. Als er in Tansania arbeitete, kamen immer wieder Polizist:innen mitten in der Nacht und klopften ihn heraus. Sie meinten, er dürfte hier nicht arbeiten, er hatte jedoch eine Arbeitsbestätigung und alle Papiere für Tansania. Anthony erzählte, als er durch Dörfer in Tansania fuhr wurde er immer willkommen geheißen und freundlich empfangen, jedoch sobald es um die Mittelschicht und den damit verbunden Tourismus ging, war er ein „Enemy - Feind“. Er erzählte uns auch, dass es für die Maasai Mara und Serengeti, (die beiden Parks sind eine Region, die sich auf zwei Länder aufteilt) eine geregelte Grenze zwischen Tansania und Kenia gibt. Da gibt es kein Niemandsland, sondern eine eindeutige Trennlinie. Außerhalb der Parks kommt dann wieder das Niemandsland ins Spiel.

Auf dem Weg nach Kisumu brachte Anthony uns dann noch ein Zuckerrohr und "schälte" (bearbeitete es mit der Machete) dieses für uns. Einmal mussten wir alle drei aufs Klo fernab jeglicher Zivilisation. Doch wir durften nicht einfach am Straßenrand aufs Klo gehen, so wie es hier gefühlt jeder dritt Mann tut, auch inmitten der Großstadt, nein, Anthony suchte den perfekten Busch für uns. So fanden wir ein Klo hinter einem Riesenbambusstrauch am Straßenrand der Teeplantagen.

Ich lernte wieder einen Kenianer kennen, der darauf setzt, sich mit fremden Personen anzufreunden und positive Konversationen zu haben, um sich ein wohlgesinntes Netzwerk aufzubauen. Egal wo wir anhielten, Anthony schien jede fünfte Person persönlich zu kennen. Ich stellte schnell fest, dass auch er die Magie des „wie du in den Wald rufst, so kommt es zu dir zurück!“, kennt und anwendet und so seinen Horizont erweitert und die Möglichkeit hat, Tourist:innen wirklich in das Land einblicken zu lassen, fernab von der Klischees und vielmehr in die Authentizität.

Eines darf er jedoch noch lernen: seinen Gästen zu glauben, wenn sie sagen, dass sie einen Löwen sehen 😉. Einmal wollte er mir tatsächlich zwei Löwen als Warzenschweine verkaufen, tja eine Safari Fanatikerin wie ich es bin, kann mittlerweile doch einen Löwen von einem Warzenschwein unterschieden!